Pfau, Welle oder Muschel - ein weltweit bekanntes Muster        

31.01.2022

 

Dieses Strickmuster ist überall auf der Welt bekannt. Es gehört zu den ältesten Strickmustern und es gibt kaum eine Mustersammlung, in der man es nicht findet. Obwohl es recht einfach zu stricken ist, zeigen sich großartige Effekte, und man kann umfangreich damit gestalten. Ob ein- oder mehrfarbig, ob ganzflächig gestrickt oder nur als Borte eingesetzt: die Möglichkeiten sind vielfältig. Durch jeweils nebeneinander platzierte Zunahmen und Abnahmen entsteht die typische Wellenstruktur, die auch dafür sorgt, dass das Muster an einer Kante des Gestricks so wunderschöne Bögen erzeugt. 

 

 

Früher wurde das Muster auch deshalb gern verwendet, weil es sich hervorragend für die Verwertung von Resten eignete. Das war insbesondere in den 40er Jahren in der Kriegszeit wichtig, deshalb sind aus dieser Zeit besonders viele farbige Exemplare erhalten. 

 

 

Interessant sind die unterschiedlichen Namen, unter dem die StrickerInnen weltweit das Muster kennen. Sie sind nicht nur aufgrund der Sprache verschieden, sondern in jeder Region wurde offensichtlich auch etwas anderes in der Form gesehen.

 

In Deutschland ist es als Pfauenmuster bekannt - jedenfalls habe ich es so in meiner Kindheit kennengelernt.  Wenn es im Kreis gestrickt wird, wie früher oft bei sogenannten Kunststrickdecken gemacht, erinnert es an das geschlagene Rad eines Pfaus - so entstand der Name. 

 

                                                       Bildquelle: Stricken, Verlag für die Frau Leipzig

 

Andernorts findet man die Bezeichnung "Feder und Fächer", meines Wissens nach wird es in England häufig so benannt. 

 

Weltweit bekannt und insbesondere unter den (Shetland) lace-StrickerInnen ist es aber wohl als "old shell" oder je nach Dialekt auch "old shale" - hier wurde in der Form eine Muschel gesehen oder Formen von Spuren, die die See am Strand zurücklässt.

 

Welchen Namen wir auch verwenden, oder was wir auch immer darin sehen: dieses Muster ist einfach und schön. Es lässt sich auch vielfältig abwandeln, in dem man z.B. rechte statt linke Maschen einbaut oder die Zu- und Abnahmen anders gruppiert. Und es lässt sich trotz des recht großen Rapports von  17-18 Maschen gut vergrößern, so dass es sich wunderschön in die Kurve legt. 

 

Was hat Daphne du Maurier mit old shale zu tun?

Schon seit langem wollte ich einen ganz klassischen old shale Pullover stricken. Und als ich in meinen wunderbaren Weihnachtsferien nochmal die Neuverfilmung von Daphne du Mauriers REBECCA gesehen habe, erinnerte ich mich daran. Denn die Farbkombination des old shale jumpers der jungen Mrs. de Winter gefiel mir richtig gut und unvorstellbarerweise hatte ich sogar mal die richtigen Farben vom Shetland lace Garn im reichlich vorhandenen Wollvorrat. So habe ich es genossen, genug Zeit zu haben, um diese Inspiration gleich umzusetzen.

 

 

Vieles passt zu diesem Pullover: einfach und schlicht zu einem blauen Tellerrock, sportlich über einem Hemdblusenkleid getragen oder als kleiner Pulli unter einem Kostüm geht er genauso gut zu einem strengeren Bleistiftrock oder einer Marlene-Hose ganz  im Stil der 30er/40er Jahre.

 

 

Viel Freude mit diesem klassischen Muster und happy knitting!

THE VALIANT TAILORESS 

Eine tapfere Schneiderin geht online 

21.10.2021 (unbezahlte Werbung)

 

Wer kennt sie nicht: die märchenhafte Geschichte vom Schneiderlein, der tapfer sieben auf einen Streich erledigte und der ganzen Welt davon erzählte.

 

Das gerade herausgegebene Magazin THE VALIANT TAILORESS macht es wie der Schneider: hier gibt es Stricken, Nähen und Häkeln auf einen Streich. Es bringt alle Handwerke zusammen und bietet komplette outfits mit Schnittmustern und Strick-und Häkelanleitungen.

Das Ergebnis ist ein absolut hochwertiges Coffee Table Magazin, das man nicht verstecken muss, wenn Gäste kommen. Es sieht auf den ersten Blick überhaupt nicht wie ein Nähanleitungs- oder Strick-Heft aus. Weil es das nicht ist, sondern ein absolut hochwertiges Mode-Magazin in einem umwerfenden Layout, mit wunderschönen Fotostrecken und tollen, aufeinander abgestimmten Designs.

 

The enchanted forest  ist das Thema der ersten Ausgabe. Frische Grüntöne, die leuchtenden Farben der Waldblumen, wechselndes Licht. Ein Spaziergang im frühen Morgennebel, um die ersten Sonnenstrahlen einzufangen, sich auf gewundenen Pfaden zu verlieren und verborgene Eingänge zu entdecken. 
14 Designerinnen aus aller Welt haben sich vom Wald verzaubern lassen und ihre Assoziationen in Designs verwandelt. 

Das Magazin gibt es hier: www.valiant-tailoress.com. Dort findet man auch noch weitere Einblicke ins Heft. Es ist als gedruckte Ausgabe erhältlich.

Im Magazin: Das nordische Dirndl von Nachmittagskleider 

 

Mir hat es viel Spaß gemacht, an diesem Magazin mitarbeiten zu dürfen. Über das Thema für die erste Ausgabe habe ich mich sehr gefreut und wusste sofort: ich mache (endlich mal wieder) ein Dirndl! Hier im Atelier habe ich schon viele verschiedene Kleider für viele verschiedene Frauen entworfen und angefertigt. Doch zu den Kleidern, die wirklich jeder Frau in jeder Größe stehen und immer eine tolle Figur machen, gehört definitiv das Dirndl, und deshalb mag ich es so. Ich habe ein wenig nordischen Kompromiss dazu getan, damit es nicht nur in Bayern tragbar ist: so entstand das dirndlartige Kleid. Auch die Idee, eine Dirndlschürze zu stricken, anstatt wie üblich zu nähen, hatte ich schon lange – was könnte besser in THE VALIANT TAILORESS passen, als diese Kombination aus Nähen und Stricken. 

 

Viel Freude beim Anschauen und handwerklichem Tun!

 

 

Warum ich gestrickte Kleider mag

24.08.2021

Alpaka/Wolle/PA fingering weight

 

Oft werde ich gefragt, wie ich es denn bloß schaffe, so umfangreich zu stricken. Oder ob es mir Spaß macht, große Projekte wie ein Strickkleid zu fertigen, weil das doch so sehr lange dauern würde …. dies habe ich schon mal in dem post "Warum ich lieber komplex stricke" beschrie-ben.

 

Aber nicht nur, weil ich gerne abwechslungsreich stricke, und dem langsamen handwerklichen Prozess auch gern Zeit gebe, mag ich meine Strickkleider. Ich trage sie auch deshalb so gern, weil sie einfach super bequem sind. Denn Gestrick ist dehnbar, soft und weich, umspielt den Körper und macht jede Bewegung mit. Es engt nicht ein, weil es – je nach Schnitt – nicht viele Nähte gibt, ähnlich wie bei einem T-shirt oder anderen Teilen aus Jersey.

 

 

Schwingende Rockteile aus einem zarten Lace-Garn fallen einfach traumhaft schön, und Kleider aus etwas dickerer Wolle wärmen wunderbar im Winter. Für Etui-Kleider eignen sich super dichtere, tweedartige Gestricke mit Mustern, die webartige Strukturen erzeugen oder Fair-Isle. 

 

Alpaka/Seide mit Einsatz in knitted-lace und Perlen in lace-weight

 

Apaka/Seide  laceweight                  Viskose  fingering weight                 Fair Isle jumper weight

 

In den 50ern war es viel mehr verbreitet, gestrickte Kleider zu tragen. Das lag unter anderem daran, dass Wolle preiswerter war, als Stoffe. Da alle stricken konnten, war es den Frauen so viel leichter und einfacher möglich, sich selbst ein neues Kleid zu machen, als es beim Schneider anfertigen zu lassen. Die heutige Eile und Hast gab es damals nicht. Gerade bei Handarbeiten nahm man sich Zeit, legte Wert auf Details, plante und suchte sorgfältig aus. Man verlangte nicht (von sich selbst), dass das Produkt dann mit einem Klick zur Verfügung stand, sondern fertigte es geduldig an.

 

Ein Handwerk braucht seine Zeit – und das ist gut so. Denn wer mit den Händen etwas herstellt, liebt ja genau dies: die kreative Planung, das langsame Tun, die meditative Wiederholung, den Prozess, und schließlich das Ergebnis. Und das darf dann auch gern lange dauern. 

 

work in progress - Merino/Baumwolle fingering weight

 

 

Warum ich Strickjacken liebe

 

28.06.2021

Wenn man Kleider und Röcke trägt, sind gestrickte Jacken zum Kombinieren unentbehrlich. Sie sind so wie „einfach schnell Jeans und T-shirt“ bei Hosenliebhaberinnen. Sie ergänzen ärmellose Sommerkleider zum gut angezogenen Gesamtoutfit oder wärmen im Winter. Durch den dehnbareren Strickstoff umspielen sie die Taille etwas lockerer als die darunter getragenen Kleider oder Röcke aus Webware und geben so immer ein gutes Gefühl.

 

Strickjacken machen einfach Spaß. Sie sind so wunderbar vielfältig einsetzbar: zu farbigen oder gemusterten Stoffen passen einfarbige Jacken, die sich eine der im Stoff vertretenen Farben herausgreifen; zu einfarbigen Kleiderstoffen passen dagegen Jacken in bunt gemixten Farben und Mustern.

Strickjacken können aus gestrickten Stoffen wie z.B. Jersey oder Sweat genäht werden. Oder man handstrickt sie selbst: das macht nicht nur Spaß, sondern man kann sich die Modelle so herstellen, wie man es möchte – alles passt dann perfekt und kommt in Lieblingsfarbe und -muster daher.

 

Am besten sorgt man also für eine große Auswahl im Schrank – Strickjacken kann man nie genug haben!!

handgestrickte Fair-Isle-Jacke aus Shetland-Garn

 

handgestricktes Modell aus Alpaka/Seide

genähte Modelle aus Jaquard-Jersey

 

Das "Le Cafe"-Kleid mit handgestrickter Jacke aus Baumwolle

Das "seaside"-Kleid mit handgestrickter Jacke aus Bourette-Seide/Baumwolle

 

Das Zitronenkleid mit hangestrickter Jacke aus Alpaka

Das Kostüm

Karo-Tweed aus Baumwolle/PA mit geradem Bleistiftrock

Ein perfekt sitzendes Kostüm war in den 50er Jahren für jede Frau die Grundlage ihrer Garderobe.  Damals wurde (neue) Kleidung noch weitgehend maßgeschneidert: entweder beim Schneider im Atelier oder die Frauen fertigten sich ihre Sachen selbst. In beiden Fällen galt jedoch: Klasse statt Masse, besonders für die Basisgarderobe. Denn ein hochwertiges Kostüm anzufertigen, war nicht nur viel Arbeit, sondern auch kostspielig. Nicht viele Frauen konnten es sich leisten, in jeder Saison etwas Neues zu haben. Deshalb war eine sorgfältige Auswahl so wichtig: aus einem grundlegenden, sich aber durch feine Details auszeichnenden Schnitt und aus hochwertigem, über lange Zeit beständigem Material hergestellt; besaß man ein klassisches, zeitloses Kostüm, mit dem man mühelos und zu jedem Anlass perfekt angezogen war. Selbst der Lust auf „etwas Neues“ konnte man unkompliziert nachgeben: mit den passenden Kombi-Teilen oder Accessoires entstand schnell ein ganz anderer look. Sehr wichtig in Zeiten, wo Mode von der Stange und alle 3 Monate neue Kollektionen noch nicht flächendeckend verbreitet waren.  

 

Kostüme wurden damals entweder ganz klassisch mit einem Bleistiftrock getragen: schlicht gerade für ein eher strengeres Design oder aufgelockerter für etwas mehr Kurve. Oder man kombinierte die Jacke mit einem Tellerrock. Wie auch immer: mit einem Kostüm ist man auch heute noch immer bestens angezogen. Jacke und Rock können jeweils getrennt getragen und vielfältig kombiniert werden und passen sich so jedem Anlass super an.

 

Baumwoll-Boucle mit gemäßigtem Bleistiftrock
Fischgrat-Leinen mit 3/4-Tellerrock

Warum ich lieber komplex stricke

Oft werde ich gefragt, wie ich es denn bloß schaffe, so umfangreich zu stricken. Oder ob es mir Spaß macht, große Projekte wie ein Strickkleid zu fertigen, weil das doch so sehr lange dauern würde.

 

 

Das Northern-Light-Dress: ein Entwurf für den Nordlicht-KAL von Jamieson & Smith (2ply lace weight)

 

Ja, das stimmt: ein komplexes Modell zu stricken, erfordert Zeit und Geduld. Doch es macht mir Spaß. Tatsächlich macht es mir sogar mehr Spaß, als ein einfaches schnurgerades Design. Warum ist das so?

 

Jeder, der strickt, ist geduldig (zumindest beim Stricken). Denn alles Stricken braucht seine Zeit und Geduld: selbst bei einem Schnellstricker. Diese Geduld wächst mit dem Projekt.

 

shetland wool week label dress                       Spitze aus Alpaka/Seide                                                         Sommerkleid aus kühler Viskose

 

Das wichtigste aber ist das Tun: eine Idee im Kopf, ein Entwurf, der sich daraus entwickelt, das passende Garn und die Farben auszusuchen, Muster und Haptik zu probieren, Proben zu stricken (ja, Sie lesen richtig: Maschenproben stricken tue ich wirklich gern!!) und schließlich das Stricken selbst. Das alles ist um so spannender, je mehr ein Projekt komplex ist. Ich finde es viel langweiliger, einen einfachen oversize-Pulli glatt rechts in einer Farbe zu stricken, als zum Beispiel ein vielfarbiges Fair-Isle Muster oder ein fortgeschrittenes lace-chart einzusetzen.

 

Das Fair-Isle-memorial-dress: entworfen in Erinnerung an den Besuch im George Waterstone memorial Museum auf Fair Isle im letzten Jahr

 

Es fordert mich vielmehr heraus. Alles teilt sich in Abschnitte: ein aufwendiges Muster und Zunahmen im Rockteil verlangen Aufmerksamkeit und nötige Strickmathematik fordert Konzentration, während beim glatt gestrickten Oberteil entspanntes Nebenbeistricken angesagt ist. Bei Farbwechseln oder Verlaufsgarnen kann man kaum aufhören zu stricken, weil man nicht abwarten kann, wie denn wohl die nächste Reihe aussehen mag. So mag ich Stricken. Es ist abwechslungsreich und spannend. Es ist ein Prozess, dem ich gern Raum gebe. Er darf dann auch gern lang dauern.

 

Happy knitting!

 

Der NDR im Haus

Am Mittwoch war der NDR im Atelier, um einen Bericht über unser Stricken zu drehen. Das war eine spannende Sache. Es ist schon unglaublich, wieviel Aufwand und Zeit es bedeutet, so wenige Minuten Film herzustellen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Frau Haase für den Bericht, die tolle Kamerafrau Andrea Struwe und die Techniker vom NDR im Hintergrund.

 

Wollknäuele in unterschiedlichen Farben.

Rostockerin macht Strickleidenschaft zum Beruf

Sendung: Nordmagazin | 06.11.2020 | 19:30 Uhr3 Min | Verfügbar bis 06.11.2021

In puncto Stricktechniken macht Heike Burkert keiner etwas vor – sie kennt sie alle und gibt ihr Wissen gerne weiter.

 

 

Viel Spaß beim Anschauen!

 

 

Schwungvoll durch den Hochsommer

Endlich Sommer. Gerade wenn es so richtig heiß ist, wie in den letzten Tagen, möchte jeder am liebsten nur was ganz Luftiges und Leichtes tragen. Doch wie kann man auch bei solcher Hitze der Sanduhr-Silhouette treu bleiben? Wer mag schon bei diesen Temperaturen einen Unterrock tragen oder einen aus mehreren Lagen Softchiffon bestehenden Petticoat? Wie gibt man Tellerröcken und Kleidern trotzdem den richtigen Schwung?

 

Das Geheimnis ist die richtige Stoffwahl. Denn die Art und die Schwere des Gewebes bestimmen den Fall und entscheiden somit darüber, ob und welche Unterkleidung für den gewünschten Look sorgt. Ein fluffiger, zarter Chiffon oder ein leichter Batist wird ohne Petticoat immer in sich zusammenfallen, während ein festerer Baumwollstoff allein aus dem Zuschnitt eines vollen Tellerrocks ausreichenden Stand erzeugen kann.

Ein Kleid aus festerer Baumwolle: hier mit Petticoat                   ....und hier ohne: kaum ein Unterschied

Auch bei diesen Kleidern gibt der Stoff genug Schwung: hier ohne Petticoat

Ganz anders bei dieser sehr leichten Viskose: ohne Petticoat fällt hier alles zusammen

...ebenso wie bei diesem zarten Batist

 

Wählen Sie also im Hochsommer eher festere Baumwollstoffe und Schnitte, die nicht zu körpernah auf den Leib geschnitten sind: lieber das einfache Tellerrockkleid mit lockerer Taille, als das enggeschnürte Korsagenmodell mit Einlage und Miederstäben. Solche leichten Kleider können auch ohne Petticoat getragen werden und verlieren trotzdem nicht die Silhouette – einfach überstreifen, den Rock schwingen lassen und den Wind darunter spüren. In den 50er Jahren wurden diese Kleider übrigens als Waschkleider bezeichnet – abends schnell durchgewaschen sind sie ruckzuck getrocknet und am nächsten Tag wieder einsatzbereit.

 

Und wenn abends etwas Abkühlung kommt, findet sich immer ein passendes Strickjäckchen zum Drüberziehen.

Gestrickt aus einer Mischung Bourette-Seide/Baumwolle

Hier gestrickt aus einer Viskose/Tencel-Mischung

 

Wenn Sie auch lernen möchten, Strickjacken wie auf den Fotos passgenau zu stricken, dann besuchen Sie doch gern einen Strickkurs bei Nachmittagskleider. Details dazu finden Sie auf der workshop-Seite. Neue Kurse beginnen wieder im Herbst.

 

Welcome to Fair Isle

ein Tag der Shetland Wool Week 2019

 

Dass die Shetland Inseln für europäische Verhältnisse recht abgelegen sind, bestreitet wohl niemand. Und doch machen sich jedes Jahr zum Herbstanfang unzählige Leute aus den entlegensten Ecken der Welt auf zur shetland wool week und nehmen dafür die abenteuerlichesten Reisewege auf sich.

 

Teilnehmerkarte im Wool Week Treffpunkt

 

Auch die Anreise ist nicht immer gemütlich: Anfang Oktober kann es schon recht stürmisch zugehen zwischen Nordsee und Antlantik. Die Flugzeuge sind klein und wacklig und ob das Wetter tatsächlich einen Flug zulässt, weiß man vorher nie so genau. Auch die Fähre, die über Nacht vom britischen Festland nach Lerwick fährt, ist da nicht wirklich eine ruhigere Alternative. Das einzige, was unterwegs tröstet ist der wool week modus, der oft schon im ersten Umsteigeflughafen in Amsterdam  beginnt: überall sitzen strickende Leute in perfekten Fair-Isle-outfits, und es braucht nichts weiter als dies, um zu erkennen, wohin die Reise geht.

 

Hub im Shetland Museum

Wool Week Hat 2019: der Roadside Beanie

 

Hat man jedoch alle Reisehindernisse überwunden, wird man definitiv belohnt: mit einer grandiosen Natur, die so rauh, urgewaltig und dominant ist, dass die Ansicht, wir Menschen würden die Welt beherrschen, sich in nullkommanichts in Luft auflöst. Mit einer Weite und Klarheit, die Demut und Dankbarkeit entstehen lässt und einen klaren Blick für das öffnet, was wirklich im Leben zählt. Mit Farben und Formen, die jeden Kreativen sofort in neuen Entwürfen und Ideen schwelgen lassen.

 

Shetland mainland - Blick vom Sumburgh Lighthouse

 

sky colours...

 

...und Rost am Hafen: Farben für das nächste Fair Isle-Projekt

 

Und natürlich mit allem, was Stricken und Wolle betrifft: Schafe, original Shetland-Garn, Spinnereien, Farmer und ihre Höfe, Muster, workshops und andere Menschen, die genauso strickverrückt sind, wie man selbst. Viele bezeichnen die Inseln als extrem, und in einem sind sie das sicher: entweder man liebt sie, oder man hasst sie.

 

Während der wool week herrscht überall Ausnahmezustand: eine Woche lang treffen sich Tausende Strickbegeisterte, um workshops zu besuchen, das Land und die Leute kennen-

zulernen, Designer in ihren Studios zu treffen und die örtlichen wollshops zu stürmen. Das Angebot ist riesig: vom klassischen Anfängerkurs im Fair-Isle-Stricken, Filzen, Spinnen, Fair-Isle-Schmuck herstellen, Weben, Färben oder Maschinenstricken bis hin zum Stricken mit Draht, ist alles dabei, was man sich wolltechnisch nur denken kann. Im gemeinsamen Treffpunkt im Shetland Museum kann man jederzeit sitzen, stricken, erzählen und Ausstellungen besuchen und wenn man abends noch genug Energie hat, gibt es „knitting nights“ und „shetland spree“.  

 

 

Fair Isle

 

Von allem jedoch eine Spur mehr gibt es auf Fair Isle (von der Anzahl der Menschen mal abgesehen). Die Insel, nach der das typische Stricken benannt ist, ist die abgelegenste der Shetland-Inseln. Dort leben ungefähr 70 Menschen und ca. 1200 Schafe. Man gelangt per Flug von Shetland-mainland mit einem noch wackligeren und noch kleineren Flugzeug in ca. 25 min dorthin. Es gilt auch hier: das Wetter bestimmt das Leben und man sagt: „Gehe nicht nach Fair Isle, wenn Du sonst noch etwas zu tun hast“. Ein kleiner Tagesausflug kann hier schnell zu einem ungeplanten längeren Aufenthalt werden.

 

 

Die Insel ist von moosigem Gras überzogen, von ein paar Häusern und vielen Schafen. Ob es einen oder mehrere Sträucher gibt, die als Baum bezeichnet werden können, ist selbst unter den locals umstritten. Aber genau das macht die Insel aus: die Weite, die Klarheit, der Überblick. Wenn man auf der kleinen Schotterpiste, die das Wort Flughafen wirklich nicht zulässt, aus dem Flieger steigt, spürt man Wind, salzige Seeluft und man hört: nichts! Die Stille, die selbst die wenigen Zivilisationsgeräusche schluckt, ist unglaublich und zutiefst beeindruckend.

 

Anflug auf Fair Isle

 

Auf Fair Isle betreibt man Landwirtschaft, fischt, strickt oder beobachtet Vögel. Durch die besondere Lage mitten im Meer gibt es hier für Vogelbeobachter viel zu sehen. Man nennt Fair Isle deshalb auch die Insel der Vögel und Pullover.

 

Blick vom South Lighthouse

 

Fair Isle downtown

 

Hafen an der Nordseite

 

Fazit: Fair Isle und die Shetlands sind speziell, aber wunderschön. Wenn Sie nicht extrem strickbegeistert sind, sollten Sie nicht unbedingt zur wool week time dorthin reisen. Sind Sie es, ist die wool week eins der besten Strickevents, das man unbedingt gesehen haben sollte. Mein Tip: planen Sie früh! Flüge und Unterkunft sind begehrt und schnell ausgebucht. Ebenso die workshops – wenn der Ticketverkauf im Frühjahr beginnt, sollte man schon rechtzeitig zur opening time am Computer sitzen! Am besten planen Sie anschließend ein paar Tage Urlaub, denn erholsam ist diese Woche nicht wirklich. Und nehmen Sie bloß genug LEERE Koffer mit: ich verspreche Ihnen – sie sind auf dem Rückweg voll!!!

 

Summertime

 

Sommer: wunderschöne frische Luft, die Sonne und ein leichter Wind, der hier an der Küste immer ein wenig weht und jede Hitze erträglicher macht. So kann man das Leben genießen mit luftigen Kleidern, bunten Tellerröcken und dazu passenden taillierten Shirts. In den 50ern wurden leichte Sommerkleider aus dünnen Baumwollstoffen auch als Waschkleider bezeichnet: Kleider, die man täglich tragen konnte, weil sie kurz durchgewaschen und im Sommerwind schnell getrocknet gleich wieder angezogen werden konnten. Das waren damals, als "Wäsche machen" noch viel komplizierter und anstrengender war, als heute, wichtige Attribute. 

 

Oder kennen Sie schon den Luftanzug der 50er Jahre? Heute wieder aktuell als sogenannter "Jumpsuit"; in den 70ern und 80ern eher als Overall benannt, war der Luftanzug damals eher dem Strandgang vorbehalten: ein durchgehender, tailliert geschnittener Anzug mit Knopfleiste, ohne Ärmel und mit kurzen Shorts aus gemusterten, frischen Baumwollstoffen. Darin machte man immer eine gute Figur, war am Strand nicht zu offen gekleidet und konnte doch Sonne und Luft genießen. Dazu wurde meistens ein passender Rock getragen, der vorne geknöpft oder gebunden schnell darübergezogen war, so daß aus dem luftigen Strandanzug ganz schnell ein stadt- und bürotaugliches outfit wurde. 

Kunstnacht 2018

Auch in diesem Jahr gibt es wieder die Rostocker Kunstnacht – zum 18. Mal. Die östliche Altstadt bietet wie immer ein buntes Programm, und Nachmittagskleider ist natürlich auch wieder dabei.www.oestliche-altstadt.de/kunstnacht.html 

 

In diesem Jahr ist spezielles Thema das Fair-Isle-Stricken. Haben Sie schon mal mit der Schere gestrickt, einen steek aufgeschnitten oder eine Unfarbe ausgesucht? Kommen Sie gern vorbei, wenn Sie mehr über das Farb- und Musterstricken der Shetlands erfahren möchten. Ausprobieren ist sehr erwünscht!

Frühling und der zweite Blick

Endlich ist Frühling! Endlich wieder helle Farben, leichtere Stoffe und blumige Muster. Ich freue mich jedes Jahr darauf, meine schwarzbunten Wollkleider jetzt gegen schöne Modelle aus weißgrundiger luftiger Viskose oder einem zarten Batist zu tauschen. Diese so wunderbar weich fallenden Stoffe flattern mit jedem sommerlichen Windhauch um die Wette und sorgen für das richtige Frühlingsgefühl.

Es sind schöne neue Stoffe eingetroffen: Natürlich gibt es wieder herrliche Farben und Blumen jeder Art.

Doch ganz besonders haben es mir auch immer wieder solche Stoffe angetan, die eine Geschichte erzählen. Manchmal reicht schon eine blumige Bordüre dafür aus, die sich am unteren Rockrand platziert, um die Trägerin herumrankt.

 

 

Manchmal sind es aber auch die Motive: aus der Ferne oft nur als Farbpunkte wahrnehmbar, erkennt man beim näheren Hinsehen plötzlich interessante Details : …“oh, das sind ja Katzen da auf Ihrem Kleid!“

Solche Stoffe beflügeln nicht nur die Phantasie, sondern offenbaren ihre Geheimnisse oft erst auf den zweiten Blick. Und auch schneidertechnisch bieten sie stets eine Herausforderung: da Richtungen und Motive beachtet werden müssen, ist das Zuschneiden und die Wahl des Schnittes jedesmal reizvoll.

Neues Jahr - neues Kleid!

Nun ist endlich alles geschafft: das Atelier ist bezogen und eingerichtet und wartet freudig auf neue Arbeit.

Der neue Standort befindet sich in der Östlichen Altstadt in der Kleinen Wasserstr. 3. Dort geht es jetzt weiter.

 

Was bleibt?

- Wie bisher gibt es schöne, handgemachte Mode im vintage-Stil, fertige Unikate oder Entwürfe nach Ihren Wünschen und passende Accessoires.

- Wie bisher gibt es workshops rund ums Nähen und Stricken.

 

Was ist neu?

- Das neue Atelier ist nicht mehr ganztags geöffnet, sondern wenn Sie es wünschen.

- Ich bin dort nach vorheriger Terminvereinbarung für Sie da - am liebsten am späteren Nachmittag und sehr gern auch abends oder am Wochenende!

- Es wird in loser Folge an Samstagen anlassbezogene "offene Ateliertage" geben.

 

Für Terminvereinbarungen scheuen Sie sich bitte nicht, mich jederzeit anzurufen!

 

Und keine Sorge: der Frühling kommt bestimmt! Jedenfalls sind hier schon die ersten schönen Stoffe eingetroffen, so dass es bald neue Kleider gibt.

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